Fachautor Elektronik: Wie aus Praxiswissen und einer Webseite 10 Fachbücher wurden

Ich hatte nie vor, Bücher zu schreiben oder Fachautor für Elektronik zu werden. Naja, zumindest am Anfang nicht.

Das klingt vielleicht seltsam, wenn man weiß, dass inzwischen zehn Fachbücher von mir erschienen sind, darunter Titel bei Wiley-VCH und beim Elektor Verlag. Aber es ist die Wahrheit. Der Gedanke, ein Buch zu schreiben, kam aber gar nicht von mir. Er kam von außen. Und er kam zu einem Zeitpunkt, an dem ich bereits seit Jahrzehnten das getan hatte, was mich dahin geführt hat.

Eine Webseite, die mehr war als ein Hobby

Anfang 2014 startete ich die Webseite bastelnmitelektronik.de. Das ist eine Seite, auf der ich Schaltungen, Bastelprojekte und Reparaturen dokumentierte. Das war bestimmt kein Marketinginstrument, anfangs auch nicht mit einem wirklichen Plan dahinter. Ich startete diese Webseite, weil ich das, womit ich mich beschäftigte, aufschreiben und zeigen wollte.

Was mich dabei antrieb, war nicht das Beschreiben an sich. Es war die Frage dahinter:

  • Warum funktioniert das so?
  • Warum reagiert diese Schaltung auf diese Weise?
  • Was passiert, wenn man diesen Wert ändert?

Ich wollte nicht nur zeigen, was ich gebaut oder repariert hatte: Vielmehr wollte ich erklären, warum es so funktioniert, wie es funktioniert. Ganz anders kannte (und kenne) ich das von einigen anderen Webseiten und YouTube-Kanälen, die zwar gerne die Ergebnisse zeigen, aber nicht die Funktion hinter der Schaltung oder dem Gerät.

Diese Art zu schreiben hatte ich vorher bereits geübt. Seit etwa 2011 schrieb ich technische Texte im Auftrag für Kunden, die fachlich fundierte Inhalte brauchten und keine Zeit oder kein Interesse hatten, sie selbst zu verfassen. Diese Texte kamen gut an. Gut, es brauchte ein bisschen Zeit, bis ich mein Wissen so formulieren konnte, dass es auch verstanden wurde. Dann schrieb ich weiter, weil die Erklärungen stimmten. Weil jemand dahinter stand, der die Dinge aus der Praxis kannte.

Die Webseite war die öffentliche Verlängerung davon. Und irgendwann hatte sie eine Reichweite, die ich selbst nicht geplant hatte.

Das erste Buch als Fachautor für Elektronik und wie es dazu kam

2018 meldete sich Wiley-VCH bei mir. Der Verlag hatte meine Webseite gefunden und fragte, ob ich nicht ein Buch für die bekannte Dummies-Reihe schreiben wolle. Elektronik für Dummies sollte der Titel sein.

Ich war überrascht. Nicht ein bisschen, sondern wirklich. Ich hatte bis dahin nie ernsthaft daran gedacht, ein Buch zu schreiben. Bücher waren in meiner Vorstellung etwas, das andere taten, zum Beispiel Professoren, ausgewiesene Experten, Menschen mit akademischem Hintergrund.

Was Wiley-VCH in meiner Webseite gesehen hatte, war offenbar etwas anderes: jemanden, der komplexe Themen verständlich erklären konnte. Jemanden, der nicht Theorie referierte, sondern aus Praxis heraus schrieb. Jemanden, dessen Texte funktionierten, weil sie aus echter Erfahrung entstanden.

Ich überlegte nicht besonders lange und sagte zu. Elektronik für Dummies erschien 2018. Es war mein erstes Buch.

Wie aus einem Buch zehn wurden

Ich hatte gar keinen Plan, zehn Bücher zu schreiben. Ich habe auch heute keinen strengen Veröffentlichungsplan, außer vielleicht, wenn ich einen Vertrag habe. Aber ich habe ständig Ideen. Und eines kam nach dem anderen.

Nach Elektronik für Dummies folgte Elektronik-Basteln für Dummies, ebenfalls bei Wiley-VCH. Dann mein erstes Buch für den Einstieg in die Welt der Elektronenröhren mit dem Titel Röhrentechnik für Einsteiger, zwei Bücher über CB-Funk und Funktechnik, das Bandmaschinenbuch, Elektronik-Reparaturen, Vom Phonograph zum Stream und Netzteile verstehen bis hin zu Elektronenröhren in der Praxis beim Elektor Verlag. Das ist ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, weil es kaum praxisnahe deutschsprachige Literatur dazu gab. Insgesamt sind es heute also zehn Bücher.

Jedes davon entstand auf dieselbe Weise. Ich schrieb es nicht, weil ein Thema gerade gefragt war, sondern weil ich jahrelang damit gearbeitet hatte. Weil ich wusste, dass ich etwas zu sagen hatte. Aber nicht als jemand, der ein Thema nur recherchiert, sondern als jemand, der damit arbeitet oder gearbeitet hat.

Was Schreiben mit Praxis zu tun hat

Ich werde gelegentlich gefragt, wie man Fachautor wird. Die ehrliche Antwort ist unbefriedigend: Indem man zuerst Fachmann wird.

Nicht im akademischen Sinne, sondern in dem Sinne, dass man Dinge wirklich kennt. Zum Beispiel durch jahrelange Praxis, durch echte Projekte, durch Fehler, die man gemacht und verstanden hat. Durch Reparaturen, bei denen man nicht aufgehört hat zu fragen, warum etwas nicht funktioniert hat. Durch Schaltungen, die man nicht nur aufgebaut, sondern so lange verändert hat, bis man ihre innere Logik verstanden hat.

Wer das mitbringt, schreibt anders. Nicht besser im stilistischen Sinne, aber oft etwas präziser, nachvollziehbar und glaubwürdiger. Weil hinter jedem Satz etwas steht, das wirklich passiert ist.

Eine neue Richtung: Elektronik für Fortbildung und Lehre

In letzter Zeit entwickelt sich eine neue Richtung in meiner Arbeit, die sich aus allem Bisherigen ergibt: Elektronik und Technik als Lernstoff. Diesmal aber nicht (nur) für Hobbyisten, sondern für Menschen, die sich gezielt weiterbilden wollen. Schüler, Auszubildende, alle, die technische Grundlagen systematisch verstehen möchten.

Dafür habe ich vor Kurzem technikverstaendlich.de gestartet. Das ist eine Webseite, die genau das in den Mittelpunkt stellt: Technik nicht nur erklären, sondern so aufbereiten, dass sie wirklich gelernt werden kann.

Es ist eine logische Weiterentwicklung. Vom Praktiker, der Dinge tut, über den Autor, der sie erklärt bis zum Vermittler, der dafür sorgt, dass andere sie wirklich verstehen.

Was diese vier Beiträge zusammen sagen

Dieser Beitrag ist der vierte und letzte einer Reihe, die mit einem kaputten Kassettenrekorder begann und mit bis jetzt zehn Fachbüchern endet. Dazwischen liegen mehr als vier Jahrzehnte praktischer Elektronikarbeit, mehrere Webseiten, Hunderte von Projekten und Reparaturen und die Erkenntnis, dass Verstehen und Erklären zwei Seiten derselben Sache sind.

Hier noch einmal die komplette Reihe:

Wenn Sie mehr über meine Bücher erfahren möchten: Sie finden alle Titel auf der Bücher-Seite. Und wenn Sie technische Inhalte für Ihr Unternehmen oder Ihr Projekt benötigen: Ich freue mich über eine Nachricht.

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Über den Autor

Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Elektronik, Reparaturtechnik und technischer Fehlersuche. Er ist Autor mehrerer Fachbücher zu Elektronik, Netzteilen, Schaltungstechnik und Reparaturpraxis.

Viele der beschriebenen Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor