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Ist Google überhaupt noch eine „richtige“ Suchmaschine?

Und warum es sinnvoll ist, Alternativen ernsthaft in Betracht zu ziehen

Seit vielen Jahren betreibe ich eigene Webseiten und veröffentliche regelmäßig Inhalte zu Technik, Elektronik und verwandten Themen. Die Veränderungen, die Google in letzter Zeit durchläuft, sehe ich deshalb nicht nur als „normaler“ Internetnutzer, sondern auch aus der Perspektive eines Bloggers und Contenterstellers.

Und bei aller Sympathie für neue Technologien und Weiterentwicklungen stellt sich mir zunehmend die Frage: Ist Google überhaupt noch die Suchmaschine, die es einmal war? Oder hat sich das Grundprinzip längst verschoben?

Diese Frage ist keineswegs überzogen oder neu. Seit etwa 2023/2024 berichten unzählige Seitenbetreiber von massiven Sichtbarkeitsverlusten. Nicht ohne Grund. Ich selbst habe diese Erfahrung sehr deutlich gemacht: Beiträge, die über Jahre stabil rankten, stürzten innerhalb weniger Wochen ab, und das ohne Änderung an den Inhalten und ohne einen anderen, ersichtlichen Grund. Und während Google bestimmte Inhalte kaum noch sichtbar ausspielt, finden andere Suchmaschinen wie DuckDuckGo oder Bing dieselben Inhalte sofort und platzieren sie auf Positionen, die man aufgrund der Qualität auch erwarten würde (und auf denen sie auch einmal auf Google rankten).

Nach vielen Stichproben mit konkreten Suchbegriffen ist das für mich kein Zufall, sondern ein System. Geschieht das alles wirklich, um den Nutzern die besten Ergebnisse zu liefern? Oder gibt es vielleicht auch ganz andere Gründe?

Ich beschäftige mich nicht aus Ärger über schlechte Platzierungen mit diesem Thema. Es geht mir vielmehr um meine Erfahrungen, und einem direkten Vergleich mit anderen Suchmaschinen, die ähnliche Inhalte sehr viel differenzierter behandeln.

Was sich seit 2023/24 spürbar verändert hat

Google-Updates gab es schon immer. Mal rutschte etwas runter, mal wieder hoch. Das gehörte dazu. Doch seit den Updates 2023/24 zeigt sich etwas grundlegend anderes: eine systematische, fast schon flächendeckende Verschiebung, die besonders kleinere, nicht-kommerzielle Webseiten betrifft.

Texte, die jahrelang zuverlässig gute Plätze erreichten, verschwinden auf einmal auf Seite 4, 5 oder noch weiter hinten, sodass sie genauso auf der Rückseite eines Kleiderschrankes erscheinen könnten. Und zwar ohne jede Veränderung, ohne Qualitätsverlust und ohne technische Fehler.

Ich habe verschiedene Stichproben zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt. Themen wie Elektronikgrundlagen, Projekte, historische Technik, Tonsignalverarbeitung, Reparaturdokumentationen oder Bastelanleitungen: Kaum eines dieser Themen rankt bei Google heute noch dort, wo ich es inhaltlich verorten würde. Im Vergleich dazu liefern DuckDuckGo oder Bing immer noch sehr stabile, nachvollziehbare Treffer. Ganz konkret: Artikel, die bei Google nicht mal unter den ersten 50 Ergebnissen auftauchen, erscheinen bei Bing oder DuckDuckGo häufig auf Seite 1 unter den ersten Suchergebnissen.

Das zeigt zweierlei.

  1. Die Inhalte sind grundsätzlich gut auffindbar.
  2. Google bewertet sie nicht aufgrund ihres Inhalts, sondern aufgrund anderer Faktoren, die offenbar stärker ins Gewicht fallen als früher.

Das bestätigt auch das, was viele andere Webmaster seit 2023 äußern: „Es liegt nicht an meiner Seite, es liegt am System.“

Was große Medien dazu sagen

Diese Entwicklung fällt nicht nur den Betreibern kleiner Webseiten auf. Auch Medienhäuser und Technikjournalisten analysieren diese Veränderungen. Die ZEIT schrieb in einem Artikel sinngemäß:

Das Unternehmen führt damit eine Entwicklung weiter, die bereits Anfang 2023 im Wettbewerb mit Microsoft angestoßen wurde: Suchmaschinen sollen durch KI zu Systemen werden, die nicht mehr nur Ergebnisse liefern, sondern eigene Antworten erzeugen.

Das zeigt sehr deutlich, dass Google „keine Suchmaschine mehr“ im klassischen Sinn ist, sondern ein System, das Antworten selbst erzeugt, statt auf Quellen zu verweisen. Hier ist der ganze Beitrag zu lesen.

Dadurch stellt sich die Kernfrage:

Wofür wird Google heute primär genutzt und wofür möchte es genutzt werden? Früher war das Ziel klar: Nutzer sollen Informationen finden, die irgendwo im Web stehen. Heute scheint das Ziel ein anderes zu sein: Nutzer sollen möglichst schnell eine Antwort erhalten, und zwar idealerweise direkt in den Suchergebnissen, ohne die Plattform zu verlassen. Diese Sicht deckt sich mit dem Aufbau der modernen Suchergebnisseiten.

Dass diese KI-generierten Antworten nicht immer korrekt sein müssen, habe ich in meinen eigenen Suchanfragen bereits mehrfach festgestellt. Manche Zusammenfassungen klingen überzeugend, enthalten aber zum Teil Fehler oder lassen wichtige Details aus. Trotzdem passt diese Entwicklung zum Aufbau der modernen Suchergebnisseiten, die immer stärker darauf ausgelegt sind, Antworten selbst zu erzeugen statt auf externe Quellen zu verweisen.

Vom Vermittler zum Produzenten: Wie Google Antworten selbst erzeugt

Wer heute etwas googelt, sieht oft schon bevor ein einziger Link erscheint:

  • KI-Zusammenfassungen
  • „Nutzer fragen auch“-Blöcke
  • direkte Definitionsfelder
  • Infoboxen
  • hervorgehobene Kurzantworten
  • Produktkarussells
  • Vorschläge aus Google-eigenen Diensten

Die eigentlichen Webseiten erscheinen meistens erst nach diesen Elementen. Besonders sichtbar wird das, wenn nach technischen Begriffen, Grundlagenwissen oder Bastelanleitungen gesucht wird.

Google „zieht“ die Antworten aus verschiedenen Quellen, fasst sie zusammen und präsentiert sie als fertiges Informationspaket. Die ursprünglichen Autoren, die sich Mühe gegeben haben, tauchen bestenfalls ganz unten auf, wenn überhaupt.

Diese Entwicklung ist bequem für den Nutzer, der eine schnelle Antwort sucht. Doch für unabhängige Webseiten ist sie schlecht. Die klassische Rolle eines Suchmaschinennutzers – klicken, lesen, vergleichen – weicht einer passiven Rolle. Man erhält eine fertige Antwort, die jedoch nicht immer vollständig oder fehlerfrei ist. Und vor allem: Viele Antworten entstehen als Komposition aus Inhalten, deren Urheber später nicht mehr als Quelle wahrgenommen werden.

Was das für kleine Webseiten bedeutet

Vor dem Aufstieg der KI-Overviews war das größte Problem kleiner Webseiten die Dominanz großer Portale. Heute ist das Problem ein anderes: Selbst große Portale verlieren Klicks an Googles eigene Produktionen. Doch während sie es verkraften können, sitzen kleine Seiten zwischen allen Stühlen.

Die Folgen sind deutlich:

  • weniger Besucher und Reichweite
  • weniger Anreize, Inhalte zu erstellen
  • weniger Sichtbarkeit für Nischenthemen
  • weniger Vielfalt im Web

Besonders bitter ist das für Hobbyprojekte, die meist mit viel Herzblut betrieben werden. Wenn ein Artikel über ein technisches Thema von Google unsichtbar wird, aber bei Bing und DuckDuckGo weiterhin als relevante Quelle gilt, dann liegt das Problem nicht beim Autor, sondern beim System.

Diese Entwicklung lässt die Frage aufkommen: Wie viel Platz lässt Google noch für das freie Web, das früher seine größte Stärke war?

Als ich Google vor mehr als 20 Jahren zu nutzen begann, war es eine schlanke, schnelle Suchmaschine, die ohne Ablenkung einfach gute Ergebnisse lieferte. Genau das machte sie damals so beliebt: eine minimalistische Oberfläche, kaum Werbung (gab es am Anfang überhaupt welche?) und eine erstaunlich treffsichere Sortierung der Suchergebnisse.

Heute hat sich das deutlich verändert. Die Suchseite ist voller Zusatzfunktionen, Einblendungen, Boxen, Shopping-Angebote und zunehmend KI-generierter Antworten, die häufig gar keinen Besuch auf einer Webseite mehr erfordern. Dazu kommt, dass diese Antworten nicht immer korrekt sind.

Warum Google heute wie eine Werbeplattform funktioniert

Google ist schon lange werbefinanziert, doch die Verschiebung der Prioritäten wird zunehmend sichtbar. Je mehr Anzeigen und Shopping-Elemente eine Ergebnisseite enthält, desto weniger Platz bleibt für sogenannte organische Suchergebnisse. Und je mehr eigene Antworten Google erzeugt, desto weniger Klicks benötigt es auf externe Seiten.

Ich sage das nicht als Vorwurf; Google folgt nur seiner wirtschaftlichen Logik. Ich habe selbst Google Ads getestet und kann bestätigen, dass Werbung auf Google effektiv sein kann. Aber es verändert die Wahrnehmung: Wer Geld investiert, erhält Sichtbarkeit. Wer als kleiner Blogger tiefgehende Inhalte liefert, aber keinen Cent in Werbung steckt, fällt aus dem Fokus.

In dieser Struktur hat Google wenig Anreize, ein Ökosystem zu bevorzugen, in dem kleine Seiten organische Sichtbarkeit erhalten, wenn gleichzeitig große Unternehmen Werbegelder investieren. Das verändert die Nutzung des Internets grundlegend.

Nutzer spüren diese Veränderungen ebenfalls

Es sind nicht nur Webmaster, die sich wundern. Auf Reddit und anderen Plattformen häufen sich Threads wie:

„Warum finde ich nichts mehr bei Google?“
„Nur noch Werbung und unbrauchbare Links.“
„Google war früher viel besser.“

Wer sich diese Diskussionen ansieht, erkennt schnell: Die Frustration ist weit verbreitet. Viele Nutzer fühlen sich nicht mehr gut bedient, sondern „durch die Suche hindurchgeschoben“, erst durch Werbung, dann durch KI-Boxen, dann durch Google-eigene Dienste.

Die klassische Idee, dass eine Suchmaschine „neutral“ ist, hat sich damit stark aufgeweicht.

Warum ich selbst heute mehrere Suchmaschinen nutze

Ich nutze Google inzwischen weit weniger als bisher, auch von der Startseite des Internetbrowsers ist Google verschwunden. Außerdem nutze ich Suchmaschinen inzwischen viel bewusster. Je nach Thema wähle ich die Suchmaschine, die meiner Erfahrung nach die besten Treffer liefert.

  • Bei Technikrecherchen nutze ich oft DuckDuckGo oder Bing, weil sie kleinere Seiten sichtbarer machen.
  • Wenn ich Google-Ergebnisse sehen will, aber ohne Tracking, verwende ich Startpage.
  • Brave Search bietet einen zunehmend eigenen Index, der oft überraschend gute Treffer liefert.
  • Und Metager ist eine sinnvolle datensparsame Alternative mit Fokus auf deutsche Inhalte.

Man muss Sich nicht immer auf Google verlassen oder es komplett verlassen, aber man sollte wissen, dass Alternativen existieren und dass sie in vielen Fällen die besseren Suchergebnisse zeigen.

Ist Google heute noch eine Suchmaschine?

Meine persönliche und sachliche Antwort:

Ja, aber nur teilweise. Google ist eine Mischform aus Suchmaschine, Werbeplattform und KI-Antwortsystem. Die ursprüngliche Rolle, nämlich das Web zu durchsuchen und auf die gewünschten Inhalte zu verlinken, ist heute nur noch ein Teil seiner Funktion. Und dieser rutscht immer mehr nach unten. Der größere Teil besteht darin, Antworten selbst zu erzeugen, Nutzer auf der Plattform zu halten (ganz wichtig für Google) und wirtschaftlich messbare Ergebnisse zu erzielen.

Für mich als Webseitenbetreiber bedeutet das: Ich verlasse mich nicht mehr allein auf Google. Ich schreibe Inhalte, weil ich Themen spannend finde und weil sie Lesern helfen sollen. Und nicht, weil ich auf Google-Rankings vertraue.

Und für Nutzer bedeutet es: Wer sich nur auf Google verlässt, sieht längst nicht mehr das ganze Web. Viele gute Inhalte existieren, sie werden nur nicht mehr angezeigt.

Warum ein Blick über den Tellerrand wichtiger wird

Wir sind daran gewöhnt, Google als selbstverständlich zu betrachten. Nicht ohne Grund hat sich schon lange der Begriff „nach etwas googeln“ eingebürgert. Doch je stärker die Plattform nach wirtschaftlichen Kriterien und KI-Logiken sortiert, desto weniger spiegelt sie die Vielfalt des Webs wider. Ein freies Internet besteht nicht nur aus Antworten, die von KI generiert werden, sondern aus Inhalten, die von Menschen geschrieben wurden. Und diese entstanden (und entstehen auch heute noch) durch Investition von Zeit, Erfahrung, Begeisterung oder Expertise. Und natürlich oft mit viel Herzblut.

Gerade deshalb lohnt es sich, andere Suchmaschinen auszuprobieren. Es geht nicht darum, Google abzulehnen. Aber Sie sollten sich ganz bewusst entscheiden, wie Sie das Web in Zukunft nutzen wollen. Die Suchmaschine beeinflusst, was wir sehen – und vielleicht auch, was wir nicht sehen.

Über den Autor
Gerd Weichhaus ist Technik- und Fachbuchautor und erklärt Elektronik und Technik verständlich aus Praxis und Erfahrung.
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