Ein Multimeter gehört zu den wichtigsten Werkzeugen in der Elektronik. Und es gehört gleichzeitig zu den Geräten, bei denen Einsteiger die meisten Fehler machen.
Beim Messen mit dem Multimeter zeigt sich immer wieder das gleiche Bild: Das Multimeter wird falsch angeschlossen, die Messwerte scheinen unlogisch zu sein oder es kommt im schlimmsten Fall zu einem Kurzschluss, insbesondere bei der Strommessung.
Die Ursache liegt dabei weniger im Gerät selbst. Es ist vielmehr das fehlende Verständnis der Grundlagen. Viele Anwender wissen nicht genau, was ein Multimeter eigentlich misst und wie Sie mit dem Multimeter Spannung, Strom und Widerstand richtig messen.
Wenn Sie diese Zusammenhänge verstehen und die grundlegenden Messarten richtig anwenden, lassen sich typische Fehler von Anfang an vermeiden und Messungen deutlich sicherer durchführen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie ein Multimeter richtig messen, Messwerte zuverlässig einordnen und typische Fehler aus der Praxis vermeiden.
Was misst ein Multimeter überhaupt?
Ein Multimeter ist ein universelles Messgerät, mit dem sich verschiedene elektrische Größen bestimmen lassen. In der Praxis wird es vor allem verwendet, um grundlegende Zustände in einer Schaltung zu überprüfen und Fehler einzugrenzen.
Die drei wichtigsten Messarten sind die Spannungsmessung, die Strommessung und die Widerstandsmessung.
- Bei der Spannungsmessung wird ermittelt, welche elektrische Spannung zwischen zwei Punkten anliegt.
- Die Strommessung zeigt, wie viel Strom tatsächlich durch einen Leiter oder ein Bauteil fließt.
- Und die Widerstandsmessung gibt an, wie stark ein Bauteil den Stromfluss begrenzt.
Darüber hinaus bieten viele Multimeter zusätzliche Funktionen wie eine Durchgangsprüfung, mit der sich schnell feststellen lässt, ob eine Verbindung besteht oder einen Diodentest, mit dem sich Halbleiterbauteile überprüfen lassen.
Für den Einstieg ist es jedoch sinnvoll, sich zunächst auf die drei grundlegenden Messarten zu konzentrieren, da sie die Basis für nahezu alle weiteren Anwendungen bilden.
Grundverständnis: Spannung, Strom und Widerstand
Bevor Sie mit dem Multimeter messen, ist es wichtig, die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Spannung, Strom und Widerstand zu verstehen. Ohne dieses Verständnis führen Messwerte oft zu falschen Schlussfolgerungen.
- Spannung können Sie sich als die treibende Kraft im Stromkreis vorstellen. Sie sorgt dafür, dass sich elektrische Ladungen bewegen.
- Strom ist die tatsächliche Bewegung dieser Ladungen durch einen Leiter.
- Der Widerstand wiederum bestimmt, wie stark dieser Stromfluss gebremst wird.
Diese drei Größen stehen in einem direkten Zusammenhang. Wenn sich beispielsweise der Widerstand erhöht, fließt bei gleicher Spannung weniger Strom. Umgekehrt führt eine höhere Spannung dazu, dass mehr Strom fließen kann, sofern der Widerstand gleich bleibt.
In der Praxis bedeutet das: Ein einzelner Messwert sagt oft noch wenig aus. Erst wenn Sie Spannung, Strom und Widerstand im Zusammenhang betrachten, können Sie beurteilen, ob eine Schaltung korrekt funktioniert oder ein Fehler vorliegt.
💡 Grundprinzip:
Spannung wird immer parallel gemessen, Strom immer in Reihe. Dieser Unterschied ist entscheidend und eine der häufigsten Fehlerquellen.
Mit dem Multimeter die Spannung messen – so gehen Sie richtig vor
Die Spannungsmessung ist die einfachste Messung mit dem Multimeter. Sie eignet sich besonders gut für den Einstieg, da dabei der Stromkreis nicht verändert oder unterbrochen werden muss.
⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:
Messungen an elektrischen Anlagen, insbesondere an Netzspannung (230 V), sind mit erheblichen Gefahren verbunden und dürfen ausschließlich von qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden.
Unsachgemäße Messungen können zu schweren Verletzungen, Lebensgefahr oder erheblichen Sachschäden führen. Arbeiten an spannungsführenden Teilen erfordern entsprechende Fachkenntnisse, geeignete Messgeräte sowie die Einhaltung aller relevanten Sicherheitsvorschriften.
Haftungsausschluss: Die in diesem Beitrag gezeigten Beispiele und Erklärungen dienen ausschließlich zu Lern- und Informationszwecken. Für Schäden oder Verletzungen, die aus der Anwendung der Inhalte entstehen, wird keine Haftung übernommen.
Ein typisches Beispiel ist das Messen einer Batterie.
- Dabei stellen Sie das Multimeter zunächst auf Gleichspannung (DC) ein, da Batterien eine konstante Spannung liefern.
- Anschließend halten Sie die Messspitzen an die Spannungsquelle, also die Batterie.
- Das bedeutet, dass Sie die rote Messspitze mit dem Pluspol und die schwarze Messspitze mit dem Minuspol verbinden.
Das Multimeter misst dabei die anliegende Spannung, ohne den Stromfluss im Stromkreis zu beeinflussen. Genau das ist ein Vorteil dieser Messmethode, da sie in den meisten Fällen gefahrlos durchgeführt werden kann.
Als Orientierung: Eine neue AA-Batterie liefert in der Regel etwa 1,5 Volt. Sinkt die gemessene Spannung deutlich darunter, ist die Batterie meist bereits entladen oder nicht mehr zuverlässig nutzbar.
In der Praxis sollten Sie sich angewöhnen, bei einer unbekannten Schaltung zunächst immer die Spannung zu messen. Sie erhalten dadurch einen schnellen Überblick und vermeiden viele typische Fehler, die bei anderen Messarten auftreten können.
✔️ Praxis-Tipp:
Wenn Sie unsicher sind, beginnen Sie immer mit der Spannungsmessung. Sie ist die sicherste Methode, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Mit dem Multimeter einen Strom messen – hier passieren die meisten Fehler
Die Strommessung ist deutlich kritischer als die Spannungsmessung und gehört zu den häufigsten Fehlerquellen beim Umgang mit dem Multimeter. Gerade Einsteiger unterschätzen oft, wie schnell hier ein Kurzschluss entstehen kann.
Der wichtigste Unterschied liegt darin, wie gemessen wird. Während die Spannung parallel gemessen wird, muss die Strommessung immer in Reihe erfolgen.
Das bedeutet, dass der Stromkreis an einer Stelle unterbrochen werden muss, sodass der gesamte Strom durch das Multimeter fließt. Das Messgerät wird also direkt in den Stromfluss eingeschleift.
In der Praxis heißt das: Sie können den Strom nicht einfach „abgreifen“, sondern müssen aktiv in die Schaltung eingreifen. Genau hier passieren die meisten Fehler.
Ein besonders häufiger Fehler ist es, das Multimeter versehentlich parallel anzuschließen, ähnlich wie bei einer Spannungsmessung. In diesem Fall überbrückt das Messgerät den Stromkreis nahezu ohne Widerstand. Das führt in den meisten Fällen zu einem Kurzschluss, der das Multimeter, die Schaltung oder die Stromquelle beschädigen kann.
Deshalb gilt: Die Strommessung sollte immer bewusst und mit Verständnis durchgeführt werden, nicht „zum Ausprobieren“.
⚠️ Wichtiger Hinweis:
Ein Multimeter in Strommessung parallel anzuschließen führt fast immer zu einem Kurzschluss. Das kann das Messgerät oder die Schaltung beschädigen.

Beispiel aus der Praxis
Ein typischer Fehler in Ausbildung und Hobbybereich:
Das Multimeter wird auf Strommessung gestellt und direkt an eine Batterie angeschlossen.
Ergebnis: Kurzschluss, Funken oder ausgelöste Sicherung.
Die Ursache ist fast immer fehlendes Verständnis des Messprinzips.
Widerstand messen mit dem Multimeter: nur ohne Spannung
Die Widerstandsmessung gehört zu den grundlegenden Funktionen eines Multimeters, darf aber ausschließlich im spannungslosen Zustand durchgeführt werden.
Dieser Punkt ist besonders wichtig, da hier häufig Fehler gemacht werden, die zu falschen Messwerten oder sogar zu Schäden am Messgerät führen können.
Der Grund dafür ist einfach:
Das Multimeter legt bei der Widerstandsmessung selbst eine kleine Prüfspannung an, um zu ermitteln, wie stark ein Bauteil den Stromfluss begrenzt. Wenn zusätzlich eine externe Spannung anliegt, überlagern sich diese Spannungen. Das führt dazu, dass die angezeigten Werte nicht mehr stimmen oder im schlimmsten Fall das Multimeter beschädigt wird.
Bevor Sie also einen Widerstand messen, muss die gesamte Schaltung spannungsfrei sein. Idealerweise wird das Bauteil zusätzlich von der Schaltung getrennt, um verfälschte Messergebnisse zu vermeiden.
Ein typisches Beispiel: Ein Widerstand ist mit 1 kΩ angegeben, aber die Messung zeigt nur etwa 300 Ω an. In vielen Fällen ist der Widerstand nicht defekt, sondern der Widerstandwert wird parallel von anderen Bauteilen beeinflusst. Diese sogenannten Parallelpfade sorgen dafür, dass das Multimeter einen niedrigeren Gesamtwiderstand misst.
Deshalb gilt: Widerstandswerte lassen sich nur dann zuverlässig bestimmen, wenn das Bauteil isoliert und ohne anliegende Spannung gemessen wird.
⚠️ Typischer Irrtum:
Ein Bauteil wird in der Schaltung gemessen und liefert falsche Werte. Ursache sind oft Parallelpfade, nicht ein defekter Widerstand.

Typische Denkfehler beim Messen
Viele Probleme entstehen nicht durch das Multimeter, sondern durch falsche Annahmen.
Häufige Fehler:
- Ein häufiger Fehler ist, dass die falsche Messart gewählt wird, beispielsweise eine Strommessung statt einer Spannungsmessung.
- Oft werden auch die Messpunkte falsch gesetzt, sodass das Multimeter nicht an den richtigen Stellen angeschlossen ist.
- Ein weiterer typischer Fehler besteht darin, dass die Messung unter falschen Bedingungen durchgeführt wird, etwa unter Last oder bei anliegender Spannung, obwohl dies nicht vorgesehen ist.
- Zudem werden Messwerte häufig isoliert betrachtet, ohne den Zusammenhang zur gesamten Schaltung zu berücksichtigen.
Ein Multimeter zeigt nur einen Wert. Die Interpretation ist entscheidend.
Systematisches Vorgehen beim Messen
Ein strukturiertes Vorgehen hilft, Fehler zu vermeiden.
- Zuerst sollten Sie eine Spannungsmessung durchführen.
- Anschließend sollten Sie die Schaltung verstehen und einordnen.
- Danach können Sie gezielt Strom oder Widerstand messen.
- Abschließend sollten Sie die Messwerte vergleichen und im Zusammenhang bewerten.
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Messarten mit dem Multimeter, wie sie korrekt angeschlossen werden und worauf Sie dabei besonders achten sollten.
| Messart | Anschluss | Besonderheit |
|---|---|---|
| Spannung | Parallel | Einfach und sicher |
| Strom | In Reihe | Gefahr Kurzschluss |
| Widerstand | Bauteil isoliert | Nur spannungslos messen |
Multimeter richtig messen: Sicherheitsaspekte
Beim Arbeiten mit einem Multimeter werden die möglichen Gefahren häufig unterschätzt, besonders von Einsteigern. Dabei können bereits einfache Fehler zu beschädigten Geräten oder im schlimmsten Fall zu Verletzungen führen. Umso wichtiger ist es, grundlegende Sicherheitsregeln zu kennen und konsequent einzuhalten.
- Eine Strommessung sollte niemals direkt an einer Spannungsquelle durchgeführt werden, da dies fast immer zu einem Kurzschluss führt.
- Eine Widerstandsmessung darf nur im spannungslosen Zustand erfolgen, da sonst falsche Messwerte entstehen oder das Multimeter beschädigt werden kann.
- Der Messbereich sollte immer korrekt eingestellt werden, damit weder das Messgerät noch die Schaltung überlastet werden.
- Wenn Unsicherheit besteht, sollte keine Messung durchgeführt, sondern zunächst die Funktionsweise und die richtigen Anschlusspunkte geklärt werden.
Praxisbeispiel: Ein Gerät funktioniert nicht.
Es kommt häufig vor, dass ein Gerät nicht mehr funktioniert und zunächst unklar ist, ob das Netzteil oder das Gerät selbst die Ursache ist. Ohne systematisches Vorgehen werden in solchen Fällen oft falsche Schlüsse gezogen.
- Im ersten Schritt sollten Sie die Spannung messen, um zu prüfen, ob das Netzteil grundsätzlich arbeitet und eine Versorgungsspannung vorhanden ist.
- Dann können Sie den Strom messen und feststellen, ob das Gerät überhaupt Strom aufnimmt.
- Wenn dabei kein Stromfluss festgestellt wird, obwohl eine Spannung anliegt, liegt die Ursache in der Regel nicht im Netzteil, sondern im Gerät selbst.
Dieses einfache, strukturierte Vorgehen hilft dabei, Fehler schnell einzugrenzen, unnötige Bauteilwechsel zu vermeiden und typische Fehlinterpretationen zu verhindern.
Fazit zum Thema Multimeter und richtig messen
Ein Multimeter ist ein einfaches Werkzeug, wenn man die Grundlagen versteht.
Die meisten Fehler entstehen durch falsches Anschließen oder fehlendes Verständnis.
Mit den gezeigten Grundlagen können Sie Messungen sicher durchführen und erste Fehler erkennen. Was dabei oft offen bleibt, ist die eigentliche Ursache: Warum fließt kein Strom? Warum sind Messwerte unplausibel? Und wie hängen einzelne Messungen zusammen?
Mehr zum Thema Fehlersuche und Diagnose behandelt das Buch „Elektronik-Reparaturen“. Es erklärt nicht nur, wie man misst, sondern vor allem, warum Geräte ausfallen und wie sich typische Fehler systematisch einordnen lassen. Es handelt sich dabei nicht um eine reine Anleitung, sondern um ein Buch, das Ihnen hilft, Zusammenhänge zu verstehen und Probleme langfristig besser zu beurteilen.
Wenn Sie einzelne Aspekte weiter vertiefen möchten, finden Sie hier ergänzende Beiträge:
→ Netzteil kaputt – Ursachen und Symptome erkennen
→ Elektronik Fehlersuche systematisch durchführen
⚠️ Sicherheitshinweis zu Messungen an elektrischen Anlagen:
Messungen an elektrischen Anlagen und insbesondere an Netzspannung (230 V / 400 V) dürfen nur von entsprechend qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden. Dabei sind die geltenden Normen und Sicherheitsregeln, insbesondere die VDE-Bestimmungen, strikt einzuhalten.
Bereits einfache Messfehler, falsche Messbereiche oder ungeeignete Messgeräte können zu gefährlichen Situationen wie Kurzschlüssen, Lichtbögen oder elektrischem Schlag führen. Arbeiten an spannungsführenden Teilen sind grundsätzlich zu vermeiden und erfordern geeignete Schutzmaßnahmen sowie Fachkenntnis.
Hinweis: Die in diesem Beitrag dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und dem Verständnis elektrischer Zusammenhänge. Sie ersetzen keine fachliche Ausbildung oder Einweisung. Eine Haftung für Schäden oder Verletzungen im Zusammenhang mit der praktischen Anwendung wird ausgeschlossen.
Über den Autor
Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Analyse typischer Fehler in elektronischen Geräten. Er ist Autor mehrerer Fachbücher zu Netzteilen, elektronischen Grundlagen und Reparaturpraxis.
Viele der beschriebenen Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor